Arzneipflanzen

Madagaskar-Immergrün

Catharanthus roseus (L.) G. Don

Pate: Werner Müller-Esterl

FAMILIE: Apocynaceae (Hundsgiftgewächse).
HABITUS: 40 bis 80 cm hoher Halbstrauch.
BLÄTTER: Bis 8 cm lang, eiförmig, ganzrandig, gestielt und gegenständig.
BLÜTEN: Violett, rosa oder weiß, 5 Kronblätter, duftend.
BLÜTEZEIT: März bis Oktober. In Mitteleuropa Februar bis April.
VERBREITUNG: Tropenpflanze, die bei uns wegen der schönen Blüten als Gewächshauspflanze oder einjährige Sommerpflanze kultiviert werden kann.
DROGE:
Blätter.
INHALTSSTOFFE:
Über 60 verschiedene Indol-Alkaloide. Gewinnung der Alkaloide Vinblastin (0,005 %) und Vincristin (0,001 %) aus den Blättern.
ANWENDUNG:
Die Alkaloide als Reinsubstanzen für Chemotherapeutika zur Behandlung verschiedener Krebserkrankungen wie Bronchial-, Hoden-, Mamma- und Nierenkarzinom sowie Leukämien.

Standort:

Pate: Agnes und Elisabeth Wieser

FAMILIE: Asteraceae (Korbblütler).
HABITUS: Bis 45 cm hohe, einjährige Distel, bitterer Geschmack.
BLÄTTER: Buchtig, stachelig und vor allem klebrig.
BLÜTEN: Wollige Blütenköpfe, innere Hülle mit langen, fiederspaltigen Stacheln, Krone gelb.
BLÜTEZEIT: Juni bis August.
VERBREITUNG: Europa, Kaukasus bis Zentral-Asien. Bei uns kann die Pflanze kultiviert werden. Sie kommt selten verwildert vor.
DROGE:
Cnici benedicti herba (Bendediktenkraut).
INHALTSSTOFFE:
Bitterstoffe der Sesquiterpenlactonreihe mit Cnicin als Hauptkomponente (um 0,5 %); Mineralstoffe (10 - 18 %), besonders Kalium- und Magnesiumsalze; 0,03 % ätherisches Öl; Triterpene (α-Amyrin); Flavonoide.
ANWENDUNG:
Innerlich: Bei Appetitlosigkeit und dyspeptische Beschwerden.

Standort:

Pate: Anni Esterl

FAMILIE: Gentianaceae (Enziangewächse).
HABITUS: Zweijähriges Kraut, bis 30 cm hoch. Im ersten Jahr grundständige Blattrosette. Im zweiten Jahr vierkantiger, verzweigter Blütenstiel.
BLÄTTER: Rosettenblätter spatelig-elliptisch. Stängelblätter sitzend, kreuzweise gegenständig.
BLÜTEN: 5-zählig, rosarot in Trugdolden.
BLÜTEZEIT: Juli bis September.
VERBREITUNG: Eurasien bis Nordafrika. Bei uns auf Wiesen, sonnigen Waldlichtungen und Trockenhängen. Die Pflanzenart steht unter Naturschutz nach dem Bundesnaturschutzgesetz und dem Washingtoner Artenschutzabkommen.
DROGE:
Centaurii herba (Tausendgüldenkraut).
INHALTSSTOFFE:
Bitterstoffe der Secoiridoidreihe mit Swertiamarin als Hauptkomponente. Diese macht 75 % der Bitterstofffraktion aus. Daneben kommen in geringen Mengen vor: Gentiopicrosid und Swerosid. Secoiridoidalkaloide mit Gentianin (0,3 % isoliert) und Gentianidin. Phenolische Verbindungen, darunter Flavonoide und Phenolcarbonsäuren.
ANWENDUNG:
Innerlich: Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden oder bei Magenbeschwerden, wie mangelhafte Magensaftbildung.

Als Teezubereitung wird 2-3 g fein geschnittene Droge mit kochendem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht. Des Weiteren wird teilweise auch eine mehrstündige Extraktion mit kaltem Wasser empfohlen.

Anmerkung: Für methanolische Extrakte wurden hepatoprotektive Effekte beschrieben. Außerdem zeigen die Inhaltsstoffe Swertiamarin und Swerosid antibakterielle Wirkungen gegen Bacillus subtilis, Bacillus cereus und Citrobacter freundii.

Standort:

Pate: Harald Hoensch

FAMILIE: Asteraceae (Korbblütler).
HABITUS: Ausdauernde, 20 - 50 cm hohe, stark aromatisch riechende Pflanze. Ästige, blühende und kurze sterile Sprosse.
BLÄTTER: Blätter doppelt (bis dreifach) fiederschnittig, mit linealischen Zipfeln.
BLÜTEN: Blüten zu 2 - 2,5 cm breiten Köpfchen mit weißen Zungenblüten in mehreren Reihen und gelben Röhrenblüten vereint. Die Köpfchen einzeln endständig auf einem relativ langen Blütenschaft. Köpfchenboden markig.
BLÜTEZEIT: Juni bis Oktober.
VERBREITUNG: Heimat Westeuropa, bei uns gelegentlich kultiviert.
DROGE:
Chamomillae romanae flos (Römische Kamillenblüten).
INHALTSSTOFFE:
Ätherisches Öl, 0,6 - 2,4 %, mit Isobutylangelat, Isoamylangelat und Isobutylbutyrat als Hauptkomponenten, Chamazulen; Sesquiterpenlactone (0,6 %) mit Nobilin und 3-Epinobilin; ferner Flavonoide; Cumarine; Hydroxyzimtsäurederivate; Catechine und Polyine.
ANWENDUNG:
Volkstümlich u.a. bei Verdauungsbeschwerden, Wunden, Schleimhautreizungen.

Standort:

Pate: Claudia und Dieter Steinhilber

FAMILIE: Asteraceae (Korbblütler).
HABITUS: Einjähriges Kraut, um 40 cm hoch, aufrecht.
BLÄTTER: 2- bis 3-fach fiederteilig, schmal-linealisch, wechselständig.
BLÜTEN: Etwa 2,5 cm breite Köpfchen mit hohlem Blütenstandsboden. Zungenblüten weiß, Röhrenblüten goldgelb.
BLÜTEZEIT: Mai bis September.
VERBREITUNG: Europa bis 60° nördl. Breite, gemäßigtes Asien. Kamille; gehört zur sog. Getreideunkrautgesellschaft. Bei uns kommt sie noch oft an Wegrändern, auf Ödland und an Getreidefeldern vor. Bevorzugt werden nährstoffreiche, kalkärmere, sandige und tonige Lehmböden. Der Anbau spezieller Zuchtsorten ist in Deutschland möglich.

Arzneipflanze des Jahres 1987
DROGE:
Matricariae flos (Kamillenblüten).
Matricariae aetheroleum (Kamillenöl).
INHALTSSTOFFE:
Ätherisches Öl mit (–)-α-Bisabolol und ähnlichen Sesquiterpenen, Chamazulen (entsteht aus Matricin); Polyine (En-in-Dicycloether); Flavonoide und Schleimstoffe.
ANWENDUNG:
Äußerlich: Bei Haut- und Schleimhautentzündungen.
Innerlich: Bei entzündlichen Erkrankungen des Magen-Darmtraktes und spastischen Beschwerden.
Als Teezubereitung wird 2-3 g Droge mit kochendem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht. Des Weiteren ist die Droge auch mit Wasserdampf zur Inhalation bei Erkältungen geeignet. Außerdem ist die Droge Bestandteil zahlreicher Teemischungen mit unterschiedlichen Indikationen.

Standort: